Tierarzt oder Tierheilpraktiker?

Das ist hier die Frage.

StetoskopMeinen heutigen Blog beginne ich mit einem Zitat von Dr. Dr. Christoph Hinterseher, bei dem ich viele Ausbildungsstunden in Anatomie, Physiologie und Phytotherapie hatte. „Zusammenfassend ist es an der Zeit […] mit alten Vorurteilen aufzuräumen und für scheinbar „Neues“ aufgeschlossen zu sein. In allen Berufsgruppen gibt es […] „weiße“ und „schwarze“ Schafe. Die Zusammenarbeit von guten Tierärzten und guten Tierheilpraktikern hat sich in vielen namhaften Fällen bereits bewährt […]. Gemeinsam können Tierheilpraktiker und Tierarzt zu einem nahezu unschlagbaren Team zusammenwachsen!“

Die Qualität eines Therapeuten an einem Doktortitel oder der staatlichen Anerkennung auszumachen, finde ich zu kurz gegriffen. Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl und beobachten Sie die Reaktionen des Tieres und dessen Heilung. Informieren Sie sich vorab über den Therapeuten auf dessen Internetseite. Wirkt diese professionell auf Sie? Wenn Sie dann vor Ort sind: Wie läuft die Untersuchung ab? Wird Ihnen der Behandlungsablauf erläutert? Haben Sie das Gefühl, dass der Therapeut Ihr Anliegen verstanden hat und darauf eingeht?

Die Qualifikation eines Tierheilpraktikers oder einer Tierheilpraktikerin können Sie anhand der Verbandszugehörigkeit einschätzen. Ich selbst bin aktives Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT e.V.). Für diese Mitgliedschaft habe ich eine schriftliche, praktische und mündliche Prüfung über Anatomie, Physiologie und Pathologie der jeweiligen Tierart erfolgreich abgelegt. Ebenso verpflichte ich mich zu regelmäßiger Fortbildung, die ich gegenüber dem Verband nachweisen muss.

Der Unterschied zwischen den Berufsständen ergibt sich für den Halter oder die Halterin vor allem durch die unterschiedlichen Behandlungsansätze. Die Tierarztpraxis steht meist für die westliche Schulmedizin und die Tierheilpraxis für die Komplementärmedizin.

Die westliche Schulmedizin hat professionelle Möglichkeiten bei schweren Unfällen, Knochenbrüchen, notwendigen Operationen, Intensivmedizin, Infektionen oder anderen oft lebensbedrohlichen Situationen. Es gibt Patienten mit chronischen Beschwerden (z. B. Arthrose), neurologischen Schädigungen, Epilepsie, Hauterkrankungen, Allergieformen oder anderen langanhaltenden Krankheiten, die nur mäßig auf eine schulmedizinische Behandlung reagieren. Manchmal sind die Nebenwirkungen stärker als der Heilungserfolg. In diesen Fällen kann für den Patienten eine Behandlung z. B. nach Traditioneller Chinesischer Medizin mit Akupunktur, Kräutermedizin, Fütterung und Haltungsbedingungen viel sinnvoller sein.

Auch an Universitäten wird auf die erfolgreiche Kombination von westlicher Schulmedizin und Komplentärmedizin hingewiesen. So empfiehlt Dr. Cheryl Christman (neurologische Fachärztin an der veterinärmedizinischen Universität in Florida) nach schulmedizinischer Behandlung von Wirbelsäulenverletzungen eine Reha mit Hilfe der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Es geht also um den Bedarf des Patienten. Es geht um ein Miteinander zwischen Tierärzten, Tierkliniken, Tierheilpraktikern, Physiotherapeuten und Trainern. Es geht um das Erhalten der eigenen Kompetenz und das Wissen darum. Es geht darum, Tiere an Kollegen zu überweisen, wenn man an die eigenen Grenzen kommt. Das funktioniert sehr gut, wenn man sich kennt und respektiert. Die folgenden Zitate zeigen ein erfolgreiches Miteinander zwischen Tierarzt- und Tierheilpraxen:

„Die Ausbildung der Tierärzte und Tierheilpraktiker legt unterschiedliche Schwerpunkte – und genau das ist der Gewinn bei einer Zusammenarbeit der beiden Berufe. Jeder kann wichtige Ideen, Wissen und Erfahrung einbringen, um letztlich dem Tier zu helfen und genau das sollte unser aller vorrangiges Ziel sein.“
Dr. Marion Sander-Becker, Oberhaching

„Die Zusammenarbeit zwischen mir und einer Tierheilpraktikerin ermöglicht es individueller und nachhaltiger auf die Gesundheit meiner Patienten einzugehen und  wird von diesen und deren Besitzern gern angenommen und geschätzt.“
Dirk Trimpe, Tierarzt Berlin

Meines Erachtens ist die erfolgreiche Zusammenarbeit und auch der Heilungserfolg beim Patienten nicht eine Frage der staatlichen Zulassung, sondern eine Frage der Kompetenz und Erfahrung der einzelnen Therapeuten. Und dabei sollte immer das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen. Es gibt ein Miteinander. Die Kombination von Schul- und Komplementärmedizin im Sinne des Patienten ist meines Erachtens der Weg für die Zukunft.

Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen.

Ihre Judith Rieker

Quellen:

  • Zitate vom Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker e.V.
  • Video „Spotlight on Traditional Chinese Veterinary Medicine“
    über Dr. Shen Huisheng Xie

2 Gedanken zu „Tierarzt oder Tierheilpraktiker?

  1. Ich bin sehr dankbar, dass meinem geriatrischen Hund mit Tierheilpraxis geholfen werden konnte, wo der Arzt überfragt war. Da ging nix mehr und wir mussten schon darüber nachdenken, wie lange wir ihn noch leiden lassen können.

    Ich bin erstaunt, dass es immer noch Menschen gibt, die pauschal abwerten, wovon sie eigentlich wenig wissen.

    Die gründliche, fachmännische Untersuchung, die Orientierung an dem Befinden des Tieres mit Feingefühl und Intuition verbindet Judith Rieker mit einem hohen Maß an Fachwissen.

    • Danke Silke für Deine netten Worte. Es ist immer ein Miteinander. Im Fall von Athos waren schulmedizinische Möglichkeiten ausgeschöpft und die Naturheilverfahren waren hilfreicher. Momentan habe ich einen anderen Fall, den ich an einen tierärztlichen Kollegen überwiesen habe. Eine Katze hat so starken Zahnsteinbelag, dass sogar das Zahnfleisch bereits stark entzündet ist. Das ist gefährlich für den Gesamtorganismus der Katze. Bevor ich weiterbehandeln kann, muss der Zahnstein entfernt werden. Hier habe ich in der Kleintierpraxis Dr. Manzel & Bähr in Reinbek einen sehr kompetenten Ansprechpartner gefunden.

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