Anspannung und Entspannung

Muskelkater_Eddi-SimplyFehlt die Balance zwischen Anspannung und Entspannung im Training und ist das Pferd körperlich überfordert, folgt häufig ein Muskelkater. Das ist der Begriff für einen Schmerz, der insbesondere durch eine hohe Belastung der Muskelpartien entsteht. Der heutige Blog berichtet über das Entstehen von Muskelkater und wie Sie das Training mit Ihrem Pferd gestalten können, um diesen zu vermeiden.

Entstehung von Muskelkater
Früher wurde Muskelkater auf Übersäuerung durch Milchsäure zurückgeführt. Durch Erfahrungen zeigte sich, dass Muskelkater eher nach einem Krafttraining auftritt. Hier wird jedoch wenig Milchsäure gebildet. Außerdem normalisiert sich der Milchsäurespiegel mit einer Halbwertzeit von ungefähr 20 Minuten. Der Muskelkater tritt jedoch erst Stunden später auf. Heute wird angenommen, dass körperliche Überbelastung kleine Risse im Muskelgewebe verursacht. Dadurch entstehen Entzündungen und daraufhin Ödeme, die den Muskel anschwellen lassen. Der entwickelte Dehnungsschmerz ist der Muskelkater, der nach etwa 12 bis 24 Stunden spürbar ist.

Ursachen für Muskelkater
Die Risse im Muskelgewebe entstehen vor allem beim Abbremsen von Bewegungen und andauernder Haltearbeit. Das geschieht zum Beispiel beim Bergabgehen, bei abrupten Stopps, beim Abfedern eines Sprunges aber auch beim Ausbalancieren im Pferdeanhänger. Daher sind meist Vorderhand- und Schultermuskulatur als auch die Haltemuskulatur des Kniegelenks betroffen. Wenn der Muskel in ständiger Bewegung ist und dabei sich gleichmäßig an- und entspannen kann, arbeitet er ausdauernd.

Gestaltung des Trainings
Grundsätzlich liegt die Verantwortung einer pferdegerechten Ausbildung und einer angepassten Intensität der Bewegung beim Reiter oder bei der Reiterin. Denn neben den bereits genannten Ursachen von Muskelkater entsteht dieser auch bei ungewohnten Bewegungen. Bei neuen Trainingseinheiten, wie zum Beispiel Seitengängen, gilt es also die Koordination Schritt für Schritt aufzubauen. Pferde brauchen im Training vor allem Zeit und Kontinuität, um den Eiweißstoffwechsel für die Muskulatur anzupassen und die motorischen Nerven zu trainieren.

In Studien zeigte sich, dass ein ausgiebiges Aufwärmen mit Dehnungsübungen die Gefahr eines Muskelkaters nur geringfügig mindert. Viel wichtiger ist es, eine Überbeanspruchung der Muskeln zu verhindern. Ein Muskel arbeitet effizient, wenn er sich anspannen und auch gänzlich entspannen kann. Der Reiter oder die Reiterin bestimmt also durch ihren Trainingsstil die Länge und Kraftanstrengung des arbeitenden Muskels. Als Beispiel kann die Veränderung der Zügellänge und somit auch die Länge und Anstrengung der Halsmuskulatur angeführt werden. Damit beeinflussen wir direkt die Versorgung der Muskulatur mit Blut und Nährstoffen.

Symptome von Muskelkater
Die betroffene Muskulatur fühlt sich hart an und das Pferd hat Schmerzen bei der Bewegung. Da Pferde wenige direkte Schmerzäußerungen zeigen, ist der Muskelkater eher an der Druckempfindlichkeit, der Kraftlosigkeit im Training oder Widerstand gegen das Reiten erkennbar. Ebenso deutet ein steifer Gang aus der Box oder ein zögerliches Weitergehen auf einen Muskelkater hin. Aber auch schlechte Laune oder Aggressivität können Anzeichen für diese Schmerzen sein.

Behandlung von Muskelkater
Um den Teufelskreis von Muskelverspannungen zu umgehen, gilt es bei Muskelkater dem Pferd Zeit für die Regeneration zu geben. Leichte Bewegung mit Spaziergängen oder kontrolliertes Longieren sind hier sehr hilfreich. Massagen hingegen verzögern eher die Heilung aufgrund der mechanischen Irritation. Wirklich hilfreich sind Wärmebehandlungen mit Solarium oder Kneippanwendungen (siehe dazu meinen Artikel über die Anwendung „Heublumensack“). Die Bewegung und Wärme steigert die Durchblutung und fördert somit den Heilungsprozess.

Zeigen sich die Symptome jedoch nach fünf Tagen immer noch, kann es sich auch um eine Zerrung, bereits vorhandene Muskelverspannungen oder Muskelfaserrisse handeln. Hier lege ich Ihnen ans Herz, eine Tierarzt- oder Tierheilpraxis in Kooperation mit einer Physiotherapie hinzu zu ziehen.

Behandeln Sie Ihr Pferd als Ihren Trainingspartner, mit dem Sie gemeinsam Schritt für Schritt und einer kontinuierlichen Leistungssteigerung Koordination und Muskelkraft aufbauen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein Frohes Osterfest.
Ihre Judith Rieker

2 Gedanken zu „Anspannung und Entspannung

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